Nürnberg - Die deutsche (Anti-)Alkoholpolitik stützt sich auf eine falsche Datenbasis. Das berichtet das deutsche Branchenmagazin Brauwelt unter Berufung auf Dr. Winfried Maatz, Arzt und Autor des Buches „Alkoholkonsum nüchtern betrachtet“. Dieser hat Statistiken nachgeprüft und erhebliche Inkonsistenzen aufgedeckt. Und er hat wiederholt nachgefragt, wie diese falschen Zahlen in Umlauf kommen konnten. Ende Juni 2026 teilte ihm das Statistische Bundesamt mit: „Auf Basis der vorliegenden Rückmeldungen der von den Abweichungen betroffenen Hauptzollämter konnte festgestellt werden, dass die Alkoholsteuerstatistik 2024 definitiv überhöhte Mengen ausweist.“ Maatz greift die gängigen Zahlen (wie die oft zitierten 47.500 jährlichen Alkoholtodesfälle in Deutschland) an. Er argumentiert, dass diese Zahlen veraltet seien und gezielt fortgeschrieben werden, um Deutschland künstlich als „Hochkonsumland“ darzustellen.
Dazu muss man wissen, dass die Alkoholpolitik in vielen Ländern darauf abzielt, den Alkoholkonsum um zehn bis 20 Prozent zu senken - unter Verweis darauf, dass der hohe Alkoholkonsum gesundheitliche und gesellschaftliche Folgekosten aufweise. Nun zeigt sich aber gerade, dass der Alkoholkonsum in Deutschland ohnehin um ein Fünftel niedriger ist, als das in den bisherigen Statistiken angenommen wurde. 2024 war ausgewiesen worden, dass in Deutschland 194 Millionen Liter reinen Alkohols getrunken worden wären. Woraufhin Abstinenzorganisationen, aber auch die Partei „Die Grünen“ mit diesen falsch zu hoch gegriffenen Zahlen einschneidende alkoholpolitische Maßnahmen gefordert haben.
Nun aber weiß man, dass diese Zahl gar nicht gestimmt hat. Für 2025 wurde die viel niedrigere Zahl von 149 Millionen Liter publiziert. Während die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen einen falsch hohen Pro-Kopf-Alkoholkonsum von 11,0 Litern berechnet, betrug der reale Alkoholkonsum im Jahr 2024 aber nur 9,5 Liter, also 1,5 Liter oder 13,64 Prozent weniger pro Kopf als von der DHS in den Medien verbreitet. Tatsächlich war der Alkoholkonsum in Deutschland früher wesentlich höher, wie Maatz nachweist: Mitte der Siebzigeijahre wurde ein Höhepunkt erreicht. Mit zwölfeinhalb Litern reinem Alkohol pro Kopf und Jahr tranken die Westdeutschen so viel wie seit nahezu einem Jahrhundert nicht mehr. Ein Bierverbrauch von 150 Litern pro Kopf bedeutete nationalen Rekord. Ab den Achtzigerjahren begann der Gesamtkonsum zu sinken, wobei dies im Wesentlichen auf den Verzicht auf hochprozentige Spirituosen zurückzuführen war. Ab den Neunzigerjahren ging auch die Nachfrage nach Bier spürbar zurück. Seit den Neunzigerjahren zeigt der gesamte Alkoholkonsum eine leichte, aber stetig rückläufige Tendenz.
Maatz hat in seinem Buch auch anderen Behauptungen auf den Zahn gefühlt. So wurde vor drei Jahren von der Weltgesundheitsorganisation WHO überraschend darauf erklärt, dass jeder Tropfen Alkohol zu viel sei - bis dahin haben Werte von 14 Gramm Alkohol pro Tag für Frauen und 28 Gramm Alkohol pro Tag für Männer als unbedenklich gegolten. Woher der Sinneswandel der WHO gekommen ist? Wo doch die Zahlen belegen, dass gar nicht so viel getrunken wird, wie behauptet?
In den Fokus der Recherche von Maatz rückte schnell die globale Dachorganisation der Guttempler „Movendi International“, eine im 19. Jahrhundert gegründete Abstinenzorganisation, die sich zunehmend in die Politik einmischt. Die Aussage „Bier und Wein haben aufgrund ihrer pflanzlichen Inhaltsstoffe bei mäßigem bis moderatem Konsum einen positiven Gesundheitseffekt“ bleibt also weiterhin zu widerlegen, schreibt die Brauwelt.
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