Nürnberg - Die Biere werden weltweit immer weniger bitter - der spezifische Bitterstoffeinsatz pro Hektoliter Bier ist im weltweiten Schnitt auf 5,42 Gramm Alphasäure gesunken. Das entspricht etwa dem Wert von vor zehn Jahren. Dazwischen hatten kräftig gehopfte Craftbiere die Statistik merklich verändert: Im Braujahr 2021 wurden im weltweiten Schnitt 6,36 Gramm Alphasäure pro Hektoliter eingesetzt. Die Alphasäure ist der für das Bierbrauen wichtigste Bestandteil des Hopfens und für die Bittere des Biers verantwortlich. Hopfenpflanzer verkaufen ihre Hopfen zum Teil auf Basis der gelieferten Alphamenge, und in den Verträgen mit den Brauereien ist die Alphasäure ebenfalls häufig ein Preisfaktor.
Das geht aus den am 21. Juli veröffentlichten Daten des BarthHaas Berichtes hervor.
Dieser Bericht zeigt auch deutlich, dass trotz Reduktion der Hopfenanbauflächen ein Überangebot an Bitterstoff auf dem Markt ist. 2021 wurde weltweit auf 62.898 Hektar Hopfen angebaut, 2026 ist die Anbaufläche auf 51.350 Hektar geschrumpft. Deutschland liegt mit 17.861 Hektar derzeit knapp vor den USA (17.003 Hektar). In den USA wurden in den vergangenen fünf Jahren 8.193 Hektar Hopfenfläche gerodet.
Die weltweite Erntemenge sank 2025 auf 109.188 Tonnen. Der durchschnittliche Alphasäuregehalt stieg dabei leicht von 10,5 auf 10,6 Prozent. Insgesamt verringerte sich die erzeugte Alphamenge dennoch um 3,2 Prozent auf 11.532 Tonnen.
Der Anteil der Aromahopfen am gesamten Erntevolumen sowie an der erzeugten Alphamenge nahm zu, während der Anteil der Bitterhopfen entsprechend zurückging. Deutschland kam 2025 auf 43 Prozent der weltweit geernteten Alphamenge und blieb damit auf dem Niveau des Vorjahres. Der Anteil der USA sank auf 40 Prozent (Vorjahr: 41 %).
Trotz der verringerten Anbaufläche überstieg die Hopfenproduktion auch 2025 weiterhin den Bedarf. Der weltweite Bierausstoß ging im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Hektoliter zurück. Parallel sank der Hopfenbedarf um knapp drei Prozent auf rund 10.700 Tonnen Alphasäure. Ausschlaggebend waren neben dem geringeren Bierausstoß eine reduzierte Hopfengabe im Brauprozess sowie Veränderungen in der Bierstilstruktur. In der Folge entstand ein Überschuss von etwa 1.200 Tonnen Alphasäure. Das entspricht einer strukturellen Überproduktion von rund 5.100 Hektar. „Die Flächen wurden zwar erneut reduziert, der Markt ist damit aber noch nicht im Gleichgewicht“, erläutert Heinrich Meier, Verfasser des BarthHaas-Berichts. „Die Produktion überstieg auch 2025 den Bedarf. Für die aktuelle Versorgungsbilanz erwarten wir erneut einen Alphaüberschuss von etwa 1.000 Tonnen.“
Schon im Juni hatte der Verband Deutscher Hopfenpflanzer gewarnt: "Die Krise im Hopfenmarkt hält an. Hopfenpflanzer roden Hopfenfelder oder geben ganz auf. Die Stimmung am Hopfenmarkt ist derzeit schlecht. Der hohe Hopfenbedarf der letzten Jahre ist geschrumpft. Seit Jahren wird weltweit weniger Bier getrunken und damit weniger Hopfen gebraucht. Die Folge ist eine Überversorgung mit Hopfen, hohe Lagerbestände und schlechte Hopfenpreise. Die Hopfenpflanzer müssen ihre Hopfen zum Teil unter den Herstellungskosten abgeben und geraten dadurch in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Reaktion ist ein Rückgang der Hopfenflächen, weil unwirtschaftliche Geschäftsbereiche aufgegeben werden."
Die überwiegend als Familienbetriebe geführten Höfe werden seit Jahren weniger. Im Vergleich zum Vorjahr haben 62 Hopfenpflanzer den Hopfenbau ganz aufgegeben, so dass in 2026 noch insgesamt 904 Hopfenbaubetriebe in Deutschland verbleiben.
Eine Rodung unwirtschaftlich gewordener Flächen führt aber nur zu einer vergleichsweise geringen Entlastung des Marktes - auf den ertragreichen Flächen wird ja weiterhin angebaut und geerntet.