Madison - Die Minocqua Brewing Company im Norden des US-Bundesstaates Wisconsin steht vor dem Entzug ihrer Brauerlizenz – und damit im Mittelpunkt eines Konflikts, in dem Alkoholrecht, Steuervorschriften und politische Provokation ineinander greifen. Bekannt wurde das Unternehmen weit über die Region hinaus mit dem Versprechen, am Todestag des früheren Präsidenten Donald Trump „den ganzen Tag“ Freibier auszuschenken. Die zuständige Steuerbehörde des Bundesstaates, das Wisconsin Department of Revenue, hat nun die Widerrufung der Brauer- und Lagergenehmigungen angekündigt; die Brauerei kann gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegen und vorerst weiterarbeiten.
Die Minocqua Brewing Company ist in einem historischen Gebäude aus den 1920er Jahren untergebracht und inszeniert sich ausdrücklich als „progressive“ Brauerei. Eigentümer Kirk Bangstad, früher Gastronom und heute Brauer und politischer Aktivist, positionierte den Betrieb bereits während der Corona-Pandemie als Gegenpol zu Trump und den Republikanern. Nach eigenen Angaben reagierte er auf den Umgang der damaligen Bundesregierung mit der Pandemie mit einem großformatigen „Joe Biden for President“-Transparent an der Fassade, was konservative Stammkunden verprellt, aber progressive Kundschaft aus anderen Landesteilen angezogen habe.
Aus dieser politischen Selbstverortung entwickelte Bangstad eine Produktlinie, die er als „#ProgressiveBeer“ vermarktet. Biere mit Namen wie „Biden Beer“ oder „Inauguration Day Beer“ sind ausdrücklich als Kommentare zum politischen Betrieb konzipiert, ein Teil der Erlöse fließt nach Unternehmensangaben an progressive Organisationen und Gruppen, die sich für reproduktive Rechte einsetzen. Parallel gründete Bangstad den Minocqua Brewing Company SuperPAC, einen Wahlkampffonds, der sich zum Ziel setzt, republikanische Amtsinhaber abzulösen, denen er vorwirft, durch die Verbreitung von Wahllügen zum Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 beigetragen und die Gefahren von Covid-19 verharmlost zu haben.
Die Ankündigung des staatlichen Lizenzentzugs steht jedoch nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der antirepublikanischen Ausrichtung der Brauerei oder mit dem Freibier-Versprechen auf den Tod Trumps. Die Steuerbehörde verweist auf Verstöße gegen Alkoholrecht und Steuervorschriften. Im Mittelpunkt steht dabei der Vorwurf, die Brauerei habe Dosenbier, das in Kooperation mit einem Partner in Illinois erzeugt wurde, im Einzelhandel in Wisconsin als eigenes Wisconsin-Bier verkauft, ohne über die dazu erforderlichen Genehmigungen zu verfügen und ohne sämtliche fälligen Verbrauchsteuern zu entrichten.
Der Fall verweist auf die verworrene Regulierung des US-Alkoholmarktes, in dem Bundesstaaten jeweils eigene Regelwerke zu Herstellung, Lagerung und Vertrieb erlassen. Die Minocqua Brewing Company hatte nach einem Vertriebsverbot für Direktlieferungen an Kunden außerhalb Wisconsins auf eine Partnerbrauerei in Illinois zurückgegriffen, um ihre Marken überregional anbieten zu können. Nach Angaben Bangstads geht es bei den beanstandeten Vorgängen um einen Steuerrückstand von unter 500 Dollar sowie um Lagerbestände, die in einem nicht genehmigten Depot in Wisconsin aufbewahrt worden seien; der Staat hatte im Juni rund 1200 Dosen beschlagnahmt.
Bangstad stellt den Konflikt als politisch motivierten Angriff auf ein kleines Unternehmen dar und wirbt in einem Newsletter wie auch auf der Plattform Substack um Spenden für einen Rechtsstreit gegen die Behörden. Die Steuerbehörde betont dagegen, sie wende die geltenden Vorschriften „fair und konsistent“ an und müsse einschreiten, wenn Genehmigungen verletzt und Steuern nicht abgeführt würden. Der Fall dürfte damit über den Einzelfall hinaus zur Frage werden, in welchem Umfang politisch deutliche Unternehmen in einem polarisierten Umfeld mit einer verschärften Kontrolle ihrer Geschäftspraxis rechnen müssen – und wie weit die Grenze zwischen politischem Kommentar und geschäftsschädigender Provokation verläuft.
https://www.minocquabrewingcompany.com