Guinness wird bald "verlässlich" von Del Fabro Kolarik geliefert

von Conrad Seidl 25/08/2026
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Guinness wird bald "verlässlich" von Del Fabro Kolarik geliefert

Wien/London - Diageo ordnet seinen Konzern unter dem seit Jahresbeginn amtierenden Vorstandschef Dave Lewis neu. In Österreich fällt diese Straffung mit einer Neuordnung des Biervertriebs zusammen: Ab 1. Jänner 2027 übernimmt Del Fabro Kolarik exklusiv die Distribution der Diageo-Biermarken Guinness, Kilkenny und Hop House.

Die Presseaussendung des österreichischen Getränkehändlers enthält dazu eine feine Spitze - sie verweist auf eine "verlässliche Versorgung in ganz Österreich". Brancheninsider erinnern sich daran, dass diese in den vergangenen Jahren durch die bisherige Vertriebsstruktur eben nicht durchgehend gewährleistet war - 2025 wurde ausgerechnet in der Woche vor dem St. Patrick's Day in Österreich das Guinness knapp! Graham Villiars-Tuthill, für Deutschland, Österreich und die Schweiz zuständiger Managing Director, lässt sich mit der Aussage zitieren: „Wir möchten uns bei allen bisherigen Partnern für die erfolgreiche Zusammenarbeit und das gemeinsam Erreichte in den vergangenen Jahren bedanken. Mit Blick auf die Zukunft freuen wir uns sehr über die Partnerschaft mit Del Fabro Kolarik. Das starke Verständnis für den österreichischen Markt, die Expertise im Premium-Biersegment und die engen Kundenbeziehungen machen Del Fabro Kolarik zum idealen Partner."

Diageo muss neu strukturieren

Der in London ansässige Konzern zieht die Konsequenzen aus einem Geschäftsjahr, das von rückläufigen Erlösen und einem deutlichen Umbau der Organisation geprägt war. Die berichteten Nettoumsätze sanken im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr 2025/26 von 20,245 auf 19,643 Milliarden Dollar; organisch betrug der Rückgang zwei Prozent. Während Europa, Lateinamerika, die Karibik und Afrika zulegten, belasteten vor allem Nordamerika und der asiatisch-pazifische Raum. Der operative Gewinn fiel berichtsweise um 27 Prozent auf 3,156 Milliarden Dollar. 

Lewis reagiert mit einem zweijährigen Restrukturierungsprogramm im Umfang von 1,2 Milliarden Dollar. Davon entfallen 1,1 Milliarden auf ein neues Betriebsmodell und 100 Millionen auf die Lieferkette. Angestrebt werden jährliche Einsparungen von einer Milliarde Dollar. Im Mittelpunkt stehen globale Verwaltungsfunktionen, regionale Zuständigkeiten und Doppelstrukturen. Der Personalstand, gemessen in Vollzeitäquivalenten, lag zum Ende des Geschäftsjahres bei 27.938 Beschäftigten, nach 29.860 ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Rückgang um 1.922 Stellen oder mehr als sechs Prozent. Ein wesentlicher Teil der regionalen Anpassungen soll bis 1. September abgeschlossen sein. 

Weltweit neue Handelspartner

Der Umbau bleibt damit nicht auf Kostenfragen beschränkt. Diageo will seine Vertriebs- und Markenarbeit stärker nach Kategorien und Absatzmärkten ausrichten. Guinness spielt dabei eine Rolle, die über das Segment Bier hinausgeht: Der Konzern führt neben Spirituosen und Ready-to-drink-Produkten auch Premiumbier als Wachstumsfeld. Für ein Portfolio, das in rund 180 Ländern vertrieben wird, bedeutet dies zugleich eine stärkere Abstützung auf lokale Handelspartner. 

In Österreich hat Diageo dafür Del Fabro Kolarik ausgewählt, ein Unternehmen der Ottakringer Getränke AG. Der Getränkegroßhändler soll ab Jahresbeginn 2027 den exklusiven Vertrieb des Diageo-Bierportfolios übernehmen. Die Vereinbarung betrifft Guinness, Kilkenny und Hop House; bestehende Vertriebsstrukturen sollen bis zum Übergang weiterarbeiten. Diageo und Del Fabro Kolarik verweisen für die Umstellungsphase auf fortgesetzte Produktverfügbarkeit, Schankservice und Lieferstandards.

Die Wahl des Partners verweist auf die Bedeutung der Gastronomie- und Handelslogistik im österreichischen Biermarkt. Del Fabro Kolarik entstand 2018 aus dem Zusammenschluss von Del Fabro und Kolarik & Leeb. Das Unternehmen beschäftigt laut eigener Darstellung 250 Mitarbeiter an den Standorten Wien, Ybbs, Graz und Salzburg; hinzu kommen 38 Beschäftigte der Tochter Wieser, Kolarik & Leeb in Piesendorf. Das Sortiment umfasst nach Unternehmensangaben 700 Biere neben Wein, Spirituosen und alkoholfreien Getränken. 

Für Diageo verbindet sich der Konzernumbau damit mit einer marktnahen Lösung. Während die Zentrale Funktionen und Kosten überprüft, soll in Österreich ein spezialisierter Distributor den Zugang zu Gastronomie, Hotellerie und Handel bündeln. Ob daraus für Guinness und die weiteren Marken tatsächlich höhere Absatzmengen entstehen, wird nicht allein von der Logistik abhängen, sondern auch von der Konsumlage und der Bereitschaft der Wirte, Zapfkapazitäten für importierte Biermarken bereitzustellen.

https://delfabrokolarik.at/