Wolnzach - Die internationale Hopfenwirtschaft hat sich Ende Juli in der Hallertau zum Kongress IHGC 2026 versammelt, der unter dem Eindruck eines anhaltenden Marktungleichgewichts stand. Rund 150 Pflanzer, Händler, Verarbeiter und Vertreter der Forschung aus Anbauländern kamen für drei Tage nach Ingolstadt und in das größte deutsche Hopfengebiet. Die Veranstaltung verband Beratungen über Anbau und Handel mit Besuchen von Forschungs- und Verarbeitungsbetrieben sowie landwirtschaftlichen Höfen.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich ein Produktionszweig auf einen sinkenden Bedarf einstellen kann. Der Weltbierausstoß ging 2025 um 0,7 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Hektoliter zurück; die Nachfrage nach Hopfen, gemessen in Alphasäure, verringerte sich nahezu um 3 Prozent. Obwohl die weltweite Anbaufläche um 5,5 Prozent auf 52.660 Hektar sank und auch die Erntemenge zurückging, lag die Produktion weiter über dem Bedarf. Der Überschuss betrug nach Berechnungen von BarthHaas etwa 1200 Tonnen Alphasäure; rechnerisch entspricht dies einer strukturellen Überkapazität von rund 5100 Hektar.
Deutschland bleibt mit 18.962 Hektar im Erntejahr 2025 das größte Hopfenland vor den Vereinigten Staaten. Die Anpassung ist allerdings auch hier sichtbar. Für 2026 wird die deutsche Fläche mit 17.861 Hektar angegeben, 1101 Hektar oder rund 6 Prozent weniger als im Vorjahr. Weltweit sollen weitere rund 1300 Hektar aus der Produktion genommen werden. Dies dürfte die Überversorgung jedoch zunächst nicht beseitigen, zumal Lagerbestände und langfristige Lieferverträge den Markt verzögert reagieren lassen.
Doppelt schwierige Lage für die Bauern
Für die Pflanzer ist die Lage doppelt schwierig. Der Rückgang des Bierverbrauchs trifft auf steigende Kosten für Arbeit, Energie, Verarbeitung und Pflanzenschutz. Zugleich zwingt das Klima zu Investitionen. Trockenheit und Hitze verändern Erträge und Alphasäuregehalte; Starkregen und Unwetter erhöhen das Ausfallrisiko. In der Hallertau hatten wenige Tage nach dem Kongress schwere Gewitter Schäden verursacht; nach ersten Angaben waren dort 50 bis 100 Hektar betroffen, zehntausende Reben lagen am Boden.
Die Diskussionen in Ingolstadt kreisten daher um trockenheitsverträglichere Sorten, Bewässerung, die Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sowie die Handelshemmnisse im internationalen Geschäft. Gerade bei Spezial- und Aromasorten stellt sich zudem die Frage, wie rasch sich der Markt nach dem Ende der expansiven Phase des Craftbiermarktes bereinigen wird. Gerade die Hersteller von Craftbieren haben neue Aromasorten nachgefragt und diese auch großzügig eingesetzt. Weniger Sortenvielfalt in Brauereien und ein geringerer Hopfeneinsatz je Hektoliter verändern die Nachfrage unabhängig von der Menge des gebrauten Bieres.
Adi Schapfl neuer Präsident
Eine personelle Entscheidung verlieh dem Treffen zusätzliches Gewicht. Nach 13 Jahren an der Spitze des Internationalen Hopfenbau-Büros trat der Amerikaner Leslie Roy nicht mehr für eine weitere vierjährige Amtszeit an. Zu seinem Nachfolger wählten die Delegierten Adi Schapfl, den Präsidenten der deutschen Hopfenpflanzer. Beim anschließenden Programm in Tettnang trat Schapfl bereits als Präsident des Internationalen Hopfenbau-Büros auf. Der nächste internationale Kongress soll 2028 in den Vereinigten Staaten stattfinden.