Wien / Brunn - In Brunn am Gebirge genügte Bürgermeister Andreas Linhart ein Schlag, um die 14. Brunner Wiesn zu eröffnen. Am Donnerstagabend setzte er den Zapfhahn, flankiert von den ehemaligen Fußballnationalspielern Herbert Prohaska und Hans Krankl, dem Musiker Pete Art und der niederösterreichischen Landtagsabgeordneten Marlene Zeidler-Beck. Das Ritual lieferte den formellen Auftakt; den Unterhaltungswert des Abends bestimmte jedoch ein Gast aus Ostfriesland: Otto Waalkes trat mit seinen Friesenjungs erstmals im Festzelt am Campus 21 auf.
Der 78 Jahre alte Komiker, Musiker und Maler hatte seinen Auftritt in einen österreichischen Rahmen gestellt. Ortsnamen wie Unterstinkenbrunn, Kleinhaugsdorf und Krumbach wurden Teil seines Programms. Damit knüpfte Waalkes an jene Technik an, mit der er seit Jahrzehnten Sprachklang, Alltagsbeobachtung und musikalische Einlagen verbindet. Im Festzelt funktionierte das als Wechselspiel zwischen Bühne und Publikum: Die Besucher reagierten auf die bekannten Figuren und Lieder ebenso wie auf die regionalen Anspielungen. Nach dem Auftritt nahm sich Waalkes hinter der Bühne Zeit für Fotografien.
Sein Gastspiel fiel in eine Phase, in der der Künstler in Wien auch als bildender Künstler präsent ist. Kurz zuvor waren seine Ottifanten und Arbeiten im Umfeld der Albertina zu sehen gewesen. Der Weg von den historischen Prunkräumen der Innenstadt in ein Festzelt am südlichen Rand Wiens mag ungewöhnlich erscheinen, verweist aber auf die Doppelrolle, die Waalkes seit langem pflegt: Unterhaltungskünstler mit einer eigenen Bildsprache und Musiker mit Hang zur Parodie.
Die Brunner Wiesn wird seit 2015 veranstaltet und läuft heuer bis zum 3. Oktober. Auf dem rund 30.000 Quadratmeter großen Gelände erwarten die Veranstalter Mario Repa und Christoph Novak etwa 150.000 Besucher. Das Zelt verfügt nach Veranstalterangaben über rund 3000 Sitzplätze; der Zutritt zum übrigen Festareal ist kostenlos. Für die Konzerte werden Sitzplatzkarten ab 35 Euro angeboten. Shuttlebusse verbinden das Gelände unter anderem mit den Stationen Siebenhirten, Mödling und Oberlaa.
Nach dem Auftakt mit Waalkes folgt ein Programm, das weniger auf bayerische Festmusik als auf unterschiedliche Formen der Unterhaltungsmusik setzt. Vier Mallorca-Abende stehen ebenso auf dem Plan wie ein Abend unter dem Titel „Millennium Beats“. Angekündigt sind dabei Mickie Krause, Lorenz Büffel, Almklausi, Die Atzen, Groove Coverage, Brooklyn Bounce, Lasgo und Jan Wayne feat. Charlene. Am 1. Oktober soll sich das Festzelt in eine Rückschau auf den Dance- und Trance-Pop der frühen 2000er Jahre verwandeln.
Der Eröffnungsabend hat damit eine Richtung vorgegeben, die für die Brunner Wiesn kennzeichnend ist: Der Bieranstich bleibt die Klammer, das Programm aber zielt auf ein Publikum, das zwischen Fußballnostalgie, Ballermann-Repertoire, Eurodance und den komischen Liedern eines ostfriesischen Entertainers wechselt. Otto Waalkes fügte sich dabei nicht als Folklorefigur ein, sondern als Gast, dessen Humor gerade aus der Verschiebung von Orten, Sprachen und Erwartungshaltungen entsteht.
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