Polen will Bierwerbung ab 2028 komplett verbieten

von Conrad Seidl 14/10/2026
Nachrichten
Polen will Bierwerbung ab 2028 komplett verbieten

Warschau - Die Anti-Alkohollobby hat in Polen einen wesentlichen Erfolg errungen. Polen will die Sonderstellung des Bieres im Werberecht beenden. Vom 1. Januar 2028 an soll auch für alle bierartigen Getränke ein vollständiges Werbeverbot gelten. Der Sejm hat die entsprechende Novelle des Gesetzes zur Förderung der Nüchternheit am 8. Oktober verabschiedet. Die Behandlung im Senat und die Unterschrift von Präsident Karol Nawrocki stehen noch aus. Ein Termin für die Beratung im Senat war zunächst nicht bekannt.

Bisher darf Bier unter Auflagen beworben werden, während für andere alkoholische Getränke grundsätzlich ein Werbeverbot gilt. In Hörfunk und Fernsehen ist Bierwerbung im Regelfall zwischen 6 und 20 Uhr untersagt; an Minderjährige darf sie sich nicht richten. Diese Ausnahme soll entfallen. Dabei sind zwei Termine auseinanderzuhalten: Wesentliche Teile der Novelle sollen Anfang 2027 wirksam werden. Für die bisher zulässige Bierwerbung reicht die Übergangsfrist bis Ende 2027, wie „Dziennik Gazeta Prawna“ erläutert. 

Der Widerstand reicht von Brauereien über Hopfenpflanzer bis zu Gewerkschaften. Sechzehn Organisationen haben sich an Ministerpräsident Donald Tusk gewandt, darunter der Brauereiverband Browary Polskie, der Verband polnischer Handwerksbrauereien und die Handelskammer Polska Izba Handlu. „Wir stellen die Auswahl der Mittel infrage“, heißt es in ihrem gemeinsamen Appell. Die Unterzeichner unterstützen nach eigener Darstellung Maßnahmen gegen Abhängigkeit, Einschränkungen des nächtlichen Verkaufs und Verbote von Mengenaktionen. Ein umfassendes Werbeverbot halten sie dagegen für unverhältnismäßig.Der Widerstand reicht von Brauereien über Hopfenpflanzer bis zu Gewerkschaften. Sechzehn Organisationen haben sich an Ministerpräsident Donald Tusk gewandt, darunter der Brauereiverband Browary Polskie, der Verband polnischer Handwerksbrauereien und die Handelskammer Polska Izba Handlu. „Wir stellen die Auswahl der Mittel infrage“, heißt es in ihrem gemeinsamen Appell. Die Unterzeichner unterstützen nach eigener Darstellung Maßnahmen gegen Abhängigkeit, Einschränkungen des nächtlichen Verkaufs und Verbote von Mengenaktionen. Ein umfassendes Werbeverbot halten sie dagegen für unverhältnismäßig.

Nach ihrer Einschätzung wären keineswegs nur Fernsehspots und Plakate betroffen. Auch Kühlschränke, Gläser und Sonnenschirme mit Brauereizeichen könnten aus Gaststätten verschwinden müssen. Kleinere Wirte seien auf diese Ausstattung angewiesen. Die Verbände warnen zudem vor Folgen für regionale Veranstaltungen und Sportvereine, die Sponsorengelder der Brauereien erhalten. Dabei handelt es sich um Folgenabschätzungen der betroffenen Wirtschaftszweige, nicht um bereits feststehende Auswirkungen des Gesetzes. 

Auch die Medien rechnen mit Einbußen. Das Fachportal Wirtualne Media zitiert Anna Bratkowska von Omnicom Media mit einer Schätzung von jährlich rund 200 Millionen Złoty für den Fernsehmarkt. Die Rechnung umfasst neben Brauereikampagnen auch Bierwerbung des Handels. Ein Teil der Mittel könnte in Werbung für alkoholfreie Biere fließen – sofern die endgültigen Vorschriften diesen Weg offenlassen. 

Gerade daran entzündet sich ein weiterer Streit. Die Brauereiverbände betrachten alkoholfreie Biere als Alternative zum Alkoholkonsum und sehen deren Entwicklung durch die Novelle gefährdet. Die Tageszeitung „Rzeczpospolita“ setzt in einem kritisch kommentierenden Beitrag einen anderen Akzent: Alkoholfreies Bier sei ein „Dietrich zur Umgehung des Werbeverbots“. Gemeint ist die gemeinsame Markenwelt alkoholhaltiger und alkoholfreier Produkte. Die dort zitierte Marketingfachfrau Magdalena Sztajerwald argumentiert, Verbraucher nähmen vor allem die Biermarke wahr, nicht den fehlenden Alkoholgehalt.rp+1

Die Übergangsfrist verschafft den Unternehmen Zeit, ihre Verträge anzupassen. Sie beantwortet jedoch nicht die Frage, wo künftig die Grenze zwischen zulässiger Produktinformation und verbotener Werbung verläuft. Für die Brauereien hängt daran die Möglichkeit, ihre Marken weiterhin öffentlich zu zeigen. Für die Befürworter strengerer Vorschriften entscheidet sich an den alkoholfreien Schwesterprodukten dagegen, ob das Verbot eine Ausweichroute offenlässt.

 

https://pap-mediaroom.pl/biznes-i-finanse/organizacje-zwiazane-z-branza…