Tschechien führt Bierstatistik an - verzeichnet aber starke Rückgänge

von Conrad Seidl 14/10/2026
Nachrichten
Tschechien führt Bierstatistik an - verzeichnet aber starke Rückgänge

Prag - Tschechien führt die internationale Bierkonsumstatistik weiterhin an, doch für die Brauereien ist der Rang kein Anlass zur Entwarnung. Nach Angaben des tschechischen Brauer- und Mälzerverbandes sank der Verbrauch 2025 auf 121 Liter je Einwohner. Das entspricht rechnerisch 242 Krügerlgläsern im Jahr. Die Branchenbilanz verzeichnet zugleich einen Rückgang der Produktion und der Ausfuhren. Die statistische Spitzenposition verdeckt einen schrumpfenden Markt.

Der europäische Branchenbericht für 2025 nennt für Tschechien 121 Liter, für Österreich 91 und für Deutschland 84 Liter. Allerdings fehlen darin für mehrere Länder aktuelle Angaben. 

Die Entwicklung im Inland ist gleichwohl eindeutig. Für 2019 verzeichnet der europäische Brauerverband noch 142 Liter je Einwohner. Seither hat nicht nur die Menge, sondern auch der Ort des Konsums sich verändert. Auf Gaststätten entfielen 2025 nur noch 28 Prozent des tschechischen Bierabsatzes; vor der Pandemie waren es 35 Prozent. Der übrige Absatz läuft über den Handel. Für Wirte bedeutet dies, dass sie in einem rückläufigen Markt zusätzlich Anteile verlieren.

Verbandsdirektor Tomáš Slunečko führt die Entwicklung auch auf veränderte Lebensgewohnheiten zurück. Die Tschechen achteten stärker auf maßvollen Konsum und Gesundheit, berichtete die Deutsche Welle im Mai. Zugleich belasten höhere Preise den Gaststättenbesuch. Der Brauerverband fordert deshalb eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Fassbier. In kleineren Orten verbindet er damit auch die Sorge um die Kneipe als sozialen Treffpunkt. 

Die tschechischen Brauereien erzeugten 2025 rund 19,96 Millionen Hektoliter, 4,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch das Ausland konnte die schwächere Nachfrage nicht auffangen: Die Exporte gingen nach Verbandsangaben um 8,2 Prozent zurück. Gegenläufig entwickelte sich alkoholfreies Bier. Dessen Produktion stieg um vier Prozent auf 1,68 Millionen Hektoliter; der inländische Verbrauch hat sich binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Betriebe reagieren damit auf eine Nachfrage, die sich vom herkömmlichen alkoholhaltigen Bier entfernt.

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