Erding - Werner Brombach, der langjährige Inhaber der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu, ist am 8. August 2026 im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Mit ihm endet eine Unternehmerbiographie, die eng an den Wandel des Weißbiers von einer regionalen bayerischen Spezialität zu einem national und international vertriebenen Markenprodukt gebunden war. Dank Werner Brombachs geradliniger Führung wurde Erding zu einem weltweit bekannten Ort für Bierkultur und zur Heimat bayerischer Bierspezialitäten.
Brombach wurde am 29. Dezember 1939 in Erding geboren, als jüngster von drei Söhnen des Brauereibesitzers Franz Brombach. Nach dem Abitur studierte er Brauwissenschaften an der Technischen Universität München-Weihenstephan und schloss als Diplom-Braumeister ab; anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. 1965 trat er in den Betrieb seines Vaters ein, zehn Jahre später übernahm er nach dessen Tod die Verantwortung für die 1886 gegründete Brauerei.
Die Ausgangslage war überschaubar. Erdinger Weißbräu war damals vor allem im regionalen Umfeld präsent; Weißbier gehörte, anders als Helles, nicht zu den überregional verbreiteten Bierstilen. Weizenbier wurde damals vor allem von älteren Frauen getrunken - und das nur in Bayern. Überall anders hatten sich untergärige Biere durchgesetzt. In einem Interview im Jahr 1989 erzählte Brombach, dass er sein Erdinger zum Markenartikel machen wollte und eben auch so zu vermarkten begann: "Ich hab mich gefragt, warum Volkswagen Autos verkauft. Weil sie Werbung dafür machen. Also habe ich begonnen, unser Bier genauso zu bewerben."
Er identifizierte Weißbier mit Bayern
Während VW mit "Er läuft und läuft und läuft..." bewarb, prägte die bundesweit ausgestrahlte Erdinger-Werbung eine ganze Kategorie: „Das Erdinger Weißbier ist halt a Pracht, holladrio-riad-dei, des schmeckt uns beim Tag und bei der Nacht.“ Die dazu gezeigten Bilder führten zu einer Gleichsetzung von Bayern und Weizenbier-Genuss.
Brombach setzte früh auf Vertrieb außerhalb Bayerns. Zunächst wurde Erdinger in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen angeboten, anschließend in weiteren Teilen der Bundesrepublik. Österreich wurde um 1970 zum ersten Auslandsmarkt. Dieser Expansionskurs ging mit einer Markenpolitik einher, die für ein Weißbier jener Zeit ungewöhnlich war: ein einheitlicher Auftritt, überregionale Werbung und eine anhaltende Verbindung von Produkt, Herkunftsort und bayerischer Tradition.
Die Produktionszahlen dokumentierten den Wandel. Als Brombach 1965 in das Unternehmen eintrat, lag der Jahresausstoß bei rund 40.000 Hektolitern. 1977 wurden etwa 225.000 Hektoliter erreicht; 1990 überschritt die Brauerei die Marke von einer Million Hektolitern Jahresausstoß. Erdinger Weißbier wird inzwischen nach Unternehmensangaben in mehr als 100 Länder geliefert. Die Entwicklung fiel in eine Zeit, in der sich der deutsche Biermarkt stärker ausdifferenzierte und Marken auch jenseits ihrer regionalen Herkunft Geltung beanspruchten.
Brombach verband die Expansion mit einer persönlich geführten Unternehmensstruktur. Er blieb über Jahrzehnte Eigentümer und Geschäftsführer, auch als das Unternehmen in größeren Märkten präsent war. Werbung mit bekannten Sportlern und Partnerschaften im Profisport dienten dazu, die Marke außerhalb ihres ursprünglichen Absatzgebiets sichtbar zu halten. Zugleich positionierte Erdinger alkoholfreies Weißbier früh im Umfeld von Sport und Ernährung, ohne sich vom Kernprodukt zu lösen.
2022 übergab Brombach den Vorsitz der Geschäftsführung an Stefan Kreisz. Im Jahr 2025 brachte er seine Anteile in die Werner-Brombach-Familien-Stiftung ein, deren Vorstand er bis zu seinem Tod blieb. Damit wurde die Eigentumsfrage frühzeitig geregelt; die Brauerei soll im Sinne der von Brombach geschaffenen Struktur fortgeführt werden. Für seine Leistungen als Unternehmer wurde Werner Brombach mehrfach ausgezeichnet. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes, des Bayerischen Verdienstordens sowie Ehrenbürger der Stadt Erding und erhielt 2019 den Ehrenpreis der Deutschen Getränkebranche verliehen. Er hinterlässt eine Tochter und einen Schwiegersohn.